Für Sie ausgesucht (Update) Wed, Sep 30. 2009
Heute ist wieder ein richtig schöner Tag mit dem Weser-Kurier. Zwei Artikel, die ich gelesen habe, sind die Grundlage für einen schönen Tag:
1) Viele verzichten aufs Studium
In dem Artikel geht es darum, dass die Zahl der AbiturientInnen zwar um zwanzig Prozent gestiegen ist, die Erstsemester-Studierendenzahl sich aber nur um 2,4% erhöht habe. Der Weser-Kurier führt dies mit Hilfe seines Experten vom DSW, Stefan Grob, auf die gestiegene Arbeitsbelastung durch Bologna-reformierte Studiengänge zurück. Also auf Bachelor/Master. Grob wird zitiert mit den Worten:
Also frühzeitig, as in vor dem Studium? Entschuldigung, aber wie erhöht das die Studierendenzahlen? Das führt doch nur dazu, dass sich noch mehr AbiturientInnen nicht zutrauen, ein Studium anzufangen.
Und dann natürlich der Knaller:
2) Post von der Polizei empört Ritterhuderin
Die Polizei Bremen, Dienststelle K32/Sexualdelikte hat Briefe mit einer Einladung zum freiwilligen Speicheltest rumgeschickt, es geht um einen Vergewaltigungsfall am 1. September in Burgdamm. Also erst mal weiss ich ja nicht, was ein tatsächlich freiwilliger Speicheltest bringen soll, außer eben: Indirekt sozialen Druck auf alle (Männer) ausüben, damit sie sich dem Test unterziehen. Also unfreiwillig.
Aber am besten ist das Zitat der Ritterhuderin:
Schönen Tag noch.
Update (20091012): Selbstverständlich wurde jetzt der [Mutmaßliche] Vergewaltiger festgenommen:
1) Viele verzichten aufs Studium
In dem Artikel geht es darum, dass die Zahl der AbiturientInnen zwar um zwanzig Prozent gestiegen ist, die Erstsemester-Studierendenzahl sich aber nur um 2,4% erhöht habe. Der Weser-Kurier führt dies mit Hilfe seines Experten vom DSW, Stefan Grob, auf die gestiegene Arbeitsbelastung durch Bologna-reformierte Studiengänge zurück. Also auf Bachelor/Master. Grob wird zitiert mit den Worten:
Der Bachelor zwingt einen dazu, sich sehr früh klar zu werden: Ist es das? Und wo brauche ich Hilfe?. Man solle schon
frühzeitig Coachings zu den Fragen "Wie gehe ich mit Stress um?" und "Wie schaffe ich das hohe Lernpensum?" in Anspruch nehmen.
Also frühzeitig, as in vor dem Studium? Entschuldigung, aber wie erhöht das die Studierendenzahlen? Das führt doch nur dazu, dass sich noch mehr AbiturientInnen nicht zutrauen, ein Studium anzufangen.
Und dann natürlich der Knaller:
2) Post von der Polizei empört Ritterhuderin
Die Polizei Bremen, Dienststelle K32/Sexualdelikte hat Briefe mit einer Einladung zum freiwilligen Speicheltest rumgeschickt, es geht um einen Vergewaltigungsfall am 1. September in Burgdamm. Also erst mal weiss ich ja nicht, was ein tatsächlich freiwilliger Speicheltest bringen soll, außer eben: Indirekt sozialen Druck auf alle (Männer) ausüben, damit sie sich dem Test unterziehen. Also unfreiwillig.
Aber am besten ist das Zitat der Ritterhuderin:
Inhaltlich ist nichts daran auszusetzen, mein Mann wird sich natürlich an dem Test beteiligen, doch so kann man solche Post nicht versenden. Und das steht da einfach so.
Schönen Tag noch.
Update (20091012): Selbstverständlich wurde jetzt der [Mutmaßliche] Vergewaltiger festgenommen:
Die Beamten waren im Rahmen eines DNA-Massenspeicheltests auf den 41-Jährigen aufmerksam geworden.
Michael Jackson ist tot. Tue, Sep 1. 2009
Spätestens seit Michael Jacksons Tod dürften viele Leute auf ein Phänomen aufmerksam geworden sein, das seit einiger Zeit um sich greift: Flash mob Dancing.
Flash mobs, bei denen sich professionelle oder Hobby-Tänzerinnen und Tänzer zum Tanzen verabreden. Da fallen dann mehrere Hundert Leute mit Puffhosen in einem Einkaufszentrum ein und tanzen zu "Can't touch this".
Oder aber man verabredet sich gleich zu Hunderten auf Stockholms Sergels Torg und tanzt zu "Billy Jean".
Das verbindet dann auf extrem coole Weise gleich eine ganze Hand voll Elemente der individualistischen Popkultur:
Songs wie "Can't touch this" - zumindest aber "Billy Jean" sind Bestandteil eines weltweiten Pop-Kulturguts. Auf legale oder illegale Weise steht dieses auch jedem zur Verfügung, der mittels Computer und Internetzugang oder USB-Stick darauf zugreifen kann. Deswegen funktionieren die Flash mobs dann auch einfach.
Jeder versteht das "Samplen" der Musik für darauf aufbauende Kunst als Hommage an die bekannten Künstler.
Das ganze Werk wird dann vielfach audiovisuell aufgezeichnet und ohne einen Gedanken an EMI, Sony oder die Erben der Copyrights und Urheberrechte zu verschwenden, ins Netz gestellt und weiterverbreitet.
Youtube und andere kommerzielle Portale zahlen im Zweifelsfall entsprechende Vergütungen an die RechteinhaberInnen, bei der Verbreitung über private Websites, P2P oder ähnliches gehen die Rechteinhaber leer aus.
Ich nehme auch an, dass sie keinen Moment lang ernsthaft daran denken, für die Nutzung des entsprechenden Samples Gebühren zu verlangen. Weder von denjenigen, die mitten in der Öffentlichkeit das Sample öffentlich vorgeführt haben noch von denen, die die Aufzeichnungen davon privat weiterverbreitet haben.
Moralisch ist die Sache doch auch eindeutig: Es besteht kein Zweifel daran, dass auf Kulturgut aufgebaut wird, niemand schwingt sich zum Urheber auf und beansprucht für sich die Rechte an Dingen, die ohnehin allen gehören: Das Popkulturgut, die Idee von Flashmobs, die Idee, in Gruppen zu tanzen, die Idee, das zu choreographieren, aufzuzeichnen und weiterzuverbreiten - alles Allgemeingut. Niemand verliert, alle profitieren.
Moment, alle? Nein. Nicht alle. Dem kleinen gallischen Dorf "Musikindustrie" ist der Zaubertrank ausgegangen und jetzt versucht es verzweifelt, seine Existenzberechtigung aufrechtzuerhalten.
Ganz verkürzt gesagt: Lasst sie doch. Vermarktung, Tourneen, Neuentdeckungen und Weltstars die Hotelzimmer besorgen müssen irgendwelche Leute machen. Ob das jetzt Konzerne machen oder Netlabels, es bleibt eine gewisse Notwendigkeit für die.
Der Ausweg heisst nicht Schulhöfe kriminalisieren und Popkultur von Anno Dazumal konservieren sondern "Kulturflatrate" und ein deutsches Pendant für "Fair Use".
Die Schlussfolgerung ist zwingend. Die weitere Schlussfolgerung ist für mich "Piratenpartei wählen", aber das überlasse ich euch. Kann man ja auch etwas lockerer auslegen und "Piraten wählen" gehen - egal in welcher Partei (solang die das auch so meinen).
Flash mobs, bei denen sich professionelle oder Hobby-Tänzerinnen und Tänzer zum Tanzen verabreden. Da fallen dann mehrere Hundert Leute mit Puffhosen in einem Einkaufszentrum ein und tanzen zu "Can't touch this".
Oder aber man verabredet sich gleich zu Hunderten auf Stockholms Sergels Torg und tanzt zu "Billy Jean".
Das verbindet dann auf extrem coole Weise gleich eine ganze Hand voll Elemente der individualistischen Popkultur:
Songs wie "Can't touch this" - zumindest aber "Billy Jean" sind Bestandteil eines weltweiten Pop-Kulturguts. Auf legale oder illegale Weise steht dieses auch jedem zur Verfügung, der mittels Computer und Internetzugang oder USB-Stick darauf zugreifen kann. Deswegen funktionieren die Flash mobs dann auch einfach.
Jeder versteht das "Samplen" der Musik für darauf aufbauende Kunst als Hommage an die bekannten Künstler.
Das ganze Werk wird dann vielfach audiovisuell aufgezeichnet und ohne einen Gedanken an EMI, Sony oder die Erben der Copyrights und Urheberrechte zu verschwenden, ins Netz gestellt und weiterverbreitet.
Youtube und andere kommerzielle Portale zahlen im Zweifelsfall entsprechende Vergütungen an die RechteinhaberInnen, bei der Verbreitung über private Websites, P2P oder ähnliches gehen die Rechteinhaber leer aus.
Ich nehme auch an, dass sie keinen Moment lang ernsthaft daran denken, für die Nutzung des entsprechenden Samples Gebühren zu verlangen. Weder von denjenigen, die mitten in der Öffentlichkeit das Sample öffentlich vorgeführt haben noch von denen, die die Aufzeichnungen davon privat weiterverbreitet haben.
Moralisch ist die Sache doch auch eindeutig: Es besteht kein Zweifel daran, dass auf Kulturgut aufgebaut wird, niemand schwingt sich zum Urheber auf und beansprucht für sich die Rechte an Dingen, die ohnehin allen gehören: Das Popkulturgut, die Idee von Flashmobs, die Idee, in Gruppen zu tanzen, die Idee, das zu choreographieren, aufzuzeichnen und weiterzuverbreiten - alles Allgemeingut. Niemand verliert, alle profitieren.
Moment, alle? Nein. Nicht alle. Dem kleinen gallischen Dorf "Musikindustrie" ist der Zaubertrank ausgegangen und jetzt versucht es verzweifelt, seine Existenzberechtigung aufrechtzuerhalten.
Ganz verkürzt gesagt: Lasst sie doch. Vermarktung, Tourneen, Neuentdeckungen und Weltstars die Hotelzimmer besorgen müssen irgendwelche Leute machen. Ob das jetzt Konzerne machen oder Netlabels, es bleibt eine gewisse Notwendigkeit für die.
Der Ausweg heisst nicht Schulhöfe kriminalisieren und Popkultur von Anno Dazumal konservieren sondern "Kulturflatrate" und ein deutsches Pendant für "Fair Use".
Die Schlussfolgerung ist zwingend. Die weitere Schlussfolgerung ist für mich "Piratenpartei wählen", aber das überlasse ich euch. Kann man ja auch etwas lockerer auslegen und "Piraten wählen" gehen - egal in welcher Partei (solang die das auch so meinen).



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